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FAQ
13 Fragen an den Konvent für Deutschland e. V.
1. Frage: Können Sie bitte die Arbeit des
Konvents noch einmal konkret zusammenfassen – wie oft trifft sich der Kreis,
auf welchen Wegen übermittelt er wie oft seine Vorschläge und/oder Angebote
an welche Teile der Politik etc.
Henkel: Seit
wir uns am 3. Oktober 2003 konstituiert hatten, behandelten wir die nach
unserer Meinung nötigen Änderungen im deutschen Föderalismus , der
Finanzverfassung, die Einführung zusätzlicher plebiszitäre Elemente in die
deutsche Politik und das Wahlrecht. Wir treffen uns in ca. dreimonatigem
Rhythmus, tauschen zwischendurch Ideen am Telefon oder schriftlich aus.
Naturgemäß konzentrierten wir uns am Anfang auf die Begleitung der
„Föderalismuskommission“, der wir unsere Vorschläge regelmäßig
unterbreiteten. Da die Kommission es vorzog, den wichtigsten Aspekt, die
Neuordnung der Finanzverfassung, auszuklammern,
arbeiteten wir einen eigenen Vorschlag aus. Unsere Ideen wurden sowohl
offiziell an die beiden Vorsitzenden der Kommission, Müntefering und
Stoiber, gerichtet als auch in vielen „bi-lateralen“ Gesprächen einzelner
Mitglieder des Konvents mit den beiden Vorsitzenden der Kommission als auch
einzelnen Mitgliedern erläutert. Nach dem ersten Scheitern der Kommission,
am 18. Dezember 2004, hat der Konvent Vermittlungsvorschläge zu Bildung,
Forschung und Europa an die Bundesregierung gerichtet. Offensichtlich war
eine Einigung zwischen Müntefering und Stoiber unmittelbar bevor, als der
Terminplan durch die Pläne zur vorgezogenen Bundeswahl durcheinander
brachte.
Seinen Vorschlag, auch dem deutschen Wähler den
Europäischen Verfassungsvertrag zur Abstimmung vorzulegen, hat der Konvent
am 23.07. 04 veröffentlicht. Vorschläge zum Wahlrecht werden zurzeit noch
diskutiert und ebenfalls der Öffentlichkeit vorgestellt.
2. Frage: Wie und von wem wird der Konvent
finanziert?
Scholz: Der Konvent für Deutschland ist sachlich,
politisch und wirtschaftlich unabhängig. Er wird von Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen finanziert,
die sich zum Konzept des Konvents einer „Reform der Reformfähigkeit“ bekennen und entsprechende Initiativen für notwendig halten.
Diese Finanziers haben keinen Einfluss auf die Arbeit, die Methoden und Resultate des Konventkreises.
Dieser ist unabhängig und überparteilich, für Anregungen und Vorschläge ist er aber stets und selbstverständlich offen.
3. Frage: Am 03. Oktober jährt sich die Gründung
des Konvents zum zweiten Mal. Wenn Sie bis heute Bilanz ziehen: eine
Erfolgsgeschichte? Was hätte besser laufen können, was würden Sie anders
machen?
Henkel: Die
Einrichtung der „Föderalismuskommission“ war ein erster Durchbruch, der ohne
die Vorarbeit einzelner Konventsmit-glieder nicht möglich geworden wäre. Die
Erkenntnis, dass angesichts der Globalisierung, der Entwicklungen der EU und
der rasanten technologischen Entwicklung auch in Deutschland eine Änderung
des politischen Entscheidungssystems nötig ist, beginnt sich in weiten
Kreisen durchzusetzen.
4. Frage: Gibt es Vorstellungen, den Konvent
über einen reinen Denk- und Mahnerkreis hinaus zu entwickeln? Wenn ja,
welche?
Scholz: Der Konvent ist kein „reiner Denk- und Mahnerkreis“.
Er arbeitet unter dem strikten Grundmuster der notwendigen „Reform der Reformfähigkeit“
und bringt die von ihm erarbeiteten Vorschläge in den allgemeinen politischen Entscheidungsprozess ein.
Er unterstützt auf diese Weise zentrale reformpolitische Agenden in Staat und Gesellschaft,
so beispielweise die Föderalismusreform und die notwendigen Reformen
im System unserer parlamentarischen und parteistaatlichen Demokratie.
5. Frage: Was muss sich nach der voraussichtlich
kommenden Bundestagswahl am schnellsten ändern?
Herzog: Die wichtigste Aufgabe einer neuen
Bundesregierung wird es sein, einen Kassensturz vorzunehmen, der diese
Bezeichnung wirklich verdient. Es wird immer noch zu viel staatliches Geld
verschwendet. Das muss mit aller Entschiedenheit verhindert werden, schon
damit Haushaltssanierung und soziale Einschnitte in der öffentlichen
Diskussion nicht dauernd verwechselt werden können.
6. Frage: Was kann der Konvent tun, um diese
Änderung zu erreichen – und wie will er es bewerkstelligen?
Herzog: Öffentlichkeitsarbeit,
Öffentlichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit. Dazu brauchen wir vor allem
auch die Arbeit der Medien. Und außerdem, wie bisher schon, „stille“
Einflussnahmen bei allen zuständigen Stellen.
7. Frage: Wie groß sind die Chancen für
tatsächliche Veränderungen in Deutschland, wenn seine grundsätzliche
Verfasstheit (Bundestag / Bundesrat) nicht reformiert wird?
Dohnanyi:
Ohne eine Änderung unserer Verfasstheit wird Angela Merkel es genau so
schwer haben wie Helmut Kohl und Gerhard Schröder.
8. Frage: Was tun Sie, damit der Konvent, der
sich als eher ruhiger und nachdenklicher Kreis präsentiert, in einer
überhitzten Mediengesellschaft wie der unsrigen ausreichend Aufmerksamkeit
bekommt?
Scholz: In der pluralistischen
und wesentlich medienorientierten Gesellschaft ist Öffentlichkeitsarbeit naturgemäß notwendig.
Die Arbeit des Konvents aktualisiert sich aber nicht nur in oder mittels entsprechender Öffentlichkeitsarbeit.
Der Konvent sucht vor allem das Gespräch mit den politisch verantwortlichen Institutionen und Personen,
er agiert also nicht nur öffentlich. Andererseits sucht der Konvent auch das Gespräch mit ausgewählten Medienvertretern,
wenn dies zweckmäßig und geboten ist. Zu diesem Zweck werden vom Konvent beispielsweise und regelmäßig „Journalisten-Workshops“
zu ausgewählten reformpolitischen Themen veranstaltet. Besonders wichtige und reformpolitisch qualifizierte Beiträge von Journalisten
in den Medien zeichnet der Konvent mit dem Roman-Herzog-Medienpreis aus.
9. Frage: Wird der Konvent den
Bundestagswahlkampf in irgendeiner Form für sich selbst bzw. für seine
Interessen nutzen?
Henkel: Wir wollen neutral bleiben. Was mich
betrifft, so werde ich mich bei den Parteien öffentlich und in zahlreichen
Vier-Augen-Gesprächen dafür einsetzen, dass sie die Verbesserung der
politischen Entscheidungssysteme in ihr jeweiliges Wahlprogramm einbauen.
10. Frage: Setzten Sie in eine Bundesregierung
aus CDU und FDP größere Hoffnung, was das Aufgreifen und das mögliche
Umsetzen der wichtigsten Konventthemen anbelangt?
Dohnanyi:
Ja, denn es war ja immerhin eine rot/grüne Koalition, die mit der Einsetzung
der dann gescheiterten Föderalismus-Kommission den Anfang machte. Es
erscheint mir nur plausibel davon auszugehen, dass auch eine rot/grüne
Opposition der Fortsetzung der Arbeit nach einer möglicherweise verlorenen
Wahl nicht entgegenstehen wird.
11: Wir stehen aller Voraussicht nach kurz vor
einer vorgezogenen Bundestagswahl. Ist unser Wahlsystem das bestmögliche?
Wenn nein - welches wäre angemessener für Deutschland?
Herzog: Wenn wir beim Punkt Null anfangen
könnten, würde ich für ein Mehrheitswahlsystem nach britischem Vorbild
plädieren. Allerdings bezweifle ich hier schon, dass unsere Mitbürger ein
Wahlsystem mittragen würden, bei dem die absolute Mehrheit der
Parlamentssitze mit 30 oder 35 Prozent der Wählerstimmen errungen werden
könnte. Außerdem stehen wir heute nicht an einem Punkt Null, sondern wir
haben seit einem halben Jahrhundert ein Wahlsystem, kraft dessen neben den
beiden großen Parteien noch zwei kleinere im Bundestag sitzen. Diese durch
einen Federstrich des Gesetzgebers hinaus zu katapultieren, geht meines
Erachtens nicht an. Unter diesen Umständen empfehle ich lediglich die
Einführung flexibler Landeslisten. Dann hätte der Bürger wenigstens die
Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen, welche Listenkandidaten in welcher
Reihenfolge ins Parlament einziehen.
12. Frage: Folgen Sie der These, dass der
tatsächliche Spielraum für die Politik auch in Deutschland aus verschiedenen
Gründen zu klein geworden ist, dass die tatsächliche Macht bei anderen
Akteuren liegt? Wenn Ja: Was konkret muss dagegen getan werden?
Dohnanyi:
Ich folge dieser These nur teilweise. Klar, mit zunehmender Globalisierung
sind immer weniger
Veränderungen auf nationaler Basis allein steuerbar. Auch hat die
Wiedervereinigung unserer Volkswirtschaft enorme Belastungen aufgebürdet,
die an die Politik jeder Partei enorme Herausforderungen stellt. Trotzdem
sollte das nicht etwa dazu führen, nun auf nationaler Basis "die Flinte ins
Korn zu werfen" oder als Ausrede zum Nichtstun dienen. Im Gegenteil, durch
die zunehmende Globalisierung ist die Notwendigkeit unsere nationalen
Entscheidungssystem zu modernisieren eher noch gewachsen.
13. Frage: Der Konventkreis regiert für eine
Woche Deutschland. Was wären seine 10 ersten Maßnahmen?
Henkel: Hier kann ich nur für mich sprechen.
So wie andere Regierungen es taten, würde ich einen „Rat der Weisen“ damit
beauftragen, die nötigen Vorschläge auszuarbeiten. Dieser kann schnell zu
einem Ergebnis kommen, indem er auf die Arbeit des Konvents zurückgreift.
Auch das derzeitige Grundgesetz entstand innerhalb von 2 Wochen! Im
Gegensatz zur Zusammensetzung der Föderalismuskommission, sollten in diesem
Rat keine aktiven Politiker tätig sein. Ein Grund für die schleppenden
Fortschritte der Föderalismuskommission liegt nach Meinung vieler
Konventsmit-glieder auch darin, dass dort vor allem aktive Politiker sitzen.
Sie tun sich naturgemäß schwer, Macht neu zu verteilen, ohne immer gleich an
die Folgen für sich selbst oder ihrer Partei zu denken.
Eine neue Verfassung sollten wir dann gemäß Artikel
146 GG dem deutschen Volk zur Abstimmung vorlegen. Es geht nicht an, dass
wir eins der ganz wenigen Länder mit einer geschriebenen Verfassung bleiben,
in dem der Souverän, also das Volk, darüber nicht entscheiden darf.
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