Konvent für Deutschland-Logo

Februar 2010, von Dr. Wolfgang Gerhardt

Dr. Wolfgang Gerhardt

Mit Bildung gegen die Krise

Erfolgreiche Länder verdanken ihre Wertschöpfung gebildeten und leistungsbereiten Menschen. Daran sollte man sich gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise erinnern. Die Welt der Zukunft ist eine Welt des Lernens. Lernen ist der entscheidende Nachhaltigkeitsfaktor, wirtschaftlich, kulturell, sozial und politisch. Die Steigerung der Bildungsausgaben allein reicht dabei allerdings nicht aus. Auch nicht mehr Unterricht, noch neue Lehrpläne oder Qualitätsprogramme. Auch nicht die Zuständigkeitsdiskussionen zwischen Bund und Ländern, und auch nicht ein Zentralabitur. Es geht nicht um laute Innovationsgeräusche, wie mancher Bildungsgipfel sie erzeugt. Es geht um Kompetenzen. Gefordert sind dabei vor allem Lehrer und Elternhäuser. Es geht um die Art und Weise, wie Wissen in der Schule vermittelt wird, aber auch wie Haltungen, Werte und Einstellungen im familiären Umfeld vorgelegt werden. Es geht um die Kultur des Lernens und den Willen zum Lernen. Sie sind das Ethos der Solidarität.

Wir werden unsere starren Bildungsstrukturen durchlässiger machen müssen. Wir können nicht in den zwei Kulturen des Pädagogischen und des Ökonomischen getrennt leben und denken. Sie müssen in unserem Bildungswesen an entscheidenden Schnittstellen vernetzt und zusammengeführt werden. Wer sich weigert, Bildung auch als volkswirtschaftliches Vermögen zu sehen, so ergab eine Untersuchung der Robert- Bosch- Stiftung, wird die ihr zukommende strategische Bedeutung nicht begreifen. Produktionsgewinne werden in Zukunft mehr als heute über Innovationsfähigkeit entstehen. Wir müssen begreifen, dass Bildung sich auszahlt. Mit ihr erwerben wir Zukunftsvermögen.

Notwendig ist ein leistungsorientiertes, plurales Bildungswesen, in dem private und staatliche Schulangebote im Wettbewerb stehen. Die Schulträger sollen sehr weit gehende Entscheidungskompetenzen erhalten, folgerichtig müssen sie ihr Lehrpersonal auch in eigener Verantwortung einstellen können. Sie sollten nicht nur Untermieter in einem System sein. Freiheitliche Bildungspolitik beruht darauf, den Rahmen für erfolgreiche Schulen zu setzen. Anstatt pädagogische Methoden und Schulformen vorzugeben, sollte auf den Wettbewerb aller Formen und Wege gesetzt werden. Vielfalt animiert zur Leistung. Einer zentralisierten Bildungszuständigkeit und eines Zentralabiturs bedarf es dafür allerdings nicht. Bundeseinheitliche Bildungsstandards als Mindestvorgaben reichen dabei völlig aus, und permanente Qualitätsverbesserungen sollten auch ohne Pisa-Ergebnisse Pflicht sein.

Das Morgen gehört denen, die sich schon heute darauf vorbereiten. Ob als Selbständiger oder Arbeitnehmer, ob in einer Führungsposition oder als Mitarbeiter- neben lebenslangem Lernen werden Eigenschaften wie Kreativität, Risikobereitschaft und die Fähigkeit zur Verantwortung die wichtigsten Wettbewerbsvoraussetzungen sein.

Qualifizierte Bildung und Ausbildung erfordern Bereitschaft und Anstrengung. Die Proteste der Studenten gegen zum Teil mangelhafte Studienbedingungen sind in ihrer Ernsthaftigkeit nicht anzuzweifeln. Die jungen Menschen wollen studieren, aber sie treffen dabei auf zum Teil unzumutbare Bedingungen. Die neue Bundesregierung aus Union und FDP hat in ihrem Koalitionsvertrag wichtige Schritte vereinbart. So hat die Koalition beschlossen, den Hochschulpakt in vollem Umfang weiterzuführen, einen Bologna-Pakt aufzulegen, mehr Geld in die Beratung von Studierenden zu investieren sowie die Studienfinanzierung mittels Stipendienwesen, Studiendarlehen und BAföG-Anpassung abzusichern. Jetzt stehen die Hochschulen in der Pflicht, ihren Spielraum zu nutzen und die Studiengänge so auszugestalten, dass Studierende von diesem Prozess profitieren. Mehr Praxisbezug, Mobilität, Interdisziplinarität und ein besserer Zugang zum Arbeitsmarkt helfen den jungen Menschen dabei, ihre eigene Zukunft zu gestalten und mit ihrer so erworbenen Bildung dem Land weiterzuhelfen.

Dieser Kommentar wurde auf Anregung des Konvent für Deutschland verfasst.
Er muss jedoch nicht zwingend die Position aller Konventkreismitglieder widerspiegeln.