Konvent für Deutschland-Logo

Februar 2013, von Hans-Olaf Henkel

Prof. Dr. Ing. E. h. Hans-Olaf Henkel

Wasser in den Festtagswein:
Was wohl David Cameron im Deutschen Bundestag gesagt hätte?

Beim Festakt zum Jubiläum des Elyseé-Vertrages, zu dem sich über eintausend Abgeordnete des Deutschen Bundestages und der Französischen Nationalversammlung im Berliner Reichstag einfanden, demonstrierten Angela Merkel und Francois Hollande seltene Einigkeit. Da goss ausgerechnet der britische Premier Cameron mit seiner lang erwarteten Europa-Rede Wasser in den Festtagswein. Besser und ehrlicher wäre es gewesen, man hätte ihn also gleich mit eingeladen. Vielleicht hätte er dies gesagt:

„Madame Chancellor, Mr. President, Deputies of the German and French Parliament!

Ich bedanke mich für diese Einladung, gibt sie mir nicht nur die Gelegenheit, Ihnen zur Goldenen Hochzeit zu gratulieren, sondern auch den Zustand unserer europäischen Familie aus dem Blickwinkel eines entfernteren Verwandten zu beschreiben.
Ehrlich gesagt, über die pathetischen Treueschwüre, die Sie einander soeben leisteten, habe ich mich doch sehr wundern müssen, denn weder mir noch unseren anderen europäischen Verwandten ist entgangen, dass sie sich beide immer öfter in die Haare geraten. Ganz offensichtlich liegen die Gründe dafür in unterschiedlichen Auffassungen der Eltern über die Erziehung des gemeinsamen Kindes, dem Sie den Namen Euro gegeben haben. Will die Mutter dem Kind deutsche Disziplin beibringen, steht der Vater eher auf französisches Laissez-faire.

Will die Mutter dem Kind deutsche Disziplin beibringen, steht der Vater eher auf französisches Laissez-faire.

Mit großer Sorge sieht die nordeuropäische Verwandtschaft, dass Sie, Herr Präsident, sich jedes Mal durchzusetzen scheinen. Der Aufnahme Griechenlands in die Eurozone stimmte damals der deutsche Elternteil nur auf Druck des französischen zu. Die „No-Bail-Out-Klausel“, die Brandmauer zwischen deutschen Steuerzahlern und ausgabefreudigen Politikern im Süden, wurde auf französischen Druck eingerissen. Die von den Franzosen bekämpfte Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank ging spätestens nach den Rücktritten ihrer deutschen Vertreter Axel Weber und Jürgen Stark verloren. Die von der deutschen Mutter eingeforderten automatischen Sanktionen bei andauernder Disziplinlosigkeit des Kindes wurden vom französischen Vater bei Ihrem gemeinsamen Spaziergang auf den Planches des Seebades von Deauville abgelehnt. Weil die eine gern sparen, der andere lieber das Geld zum Fenster herauswerfen will, ist mit einer weiteren Zerrüttung Ihrer Ehe zu rechnen, es sei denn, die in die Ehe eingebrachten Sparguthaben werden im Sinne der von den Franzosen gewünschten Bankenunion umverteilt.

Auch spaltet der Euro inzwischen unsere Familie: in Euro- und Nicht-Euroländer. Außerhalb der Eurozone will nur noch die rumänische Verwandtschaft etwas mit ihm zu tun haben.

Der Euro führt aber nicht nur zu Zwietracht zwischen Ihnen beiden. Als Sie, Mme. Chancellor, kürzlich unseren gemeinsamen Onkel in Athen besuchten, mussten Sie von siebentausend Polizisten beschützt werden. Auch spaltet der Euro inzwischen unsere Familie: in Euro- und Nicht-Euroländer. Außerhalb der Eurozone will nur noch die rumänische Verwandtschaft etwas mit ihm zu tun haben. Was mich besonders betrübt: wir, die Briten, haben Ihre ständigen Querelen, die Sie auf den „Euro-Gipfel“ genannten Familienfeiern ohne uns austragen, inzwischen so satt, dass ich alle Hände voll zu tun habe, eine Mehrheit meiner Landsleute davon abzuhalten, die EU-Familie ganz zu verlassen. Einige von uns wollen sich sogar von entfernteren Verwandten jenseits des Atlantiks adoptieren lassen.

Obwohl sich mit Großbritannien und Polen auch andere ehemals gegen Deutschland Verbündete nicht mit Deutschland im Krieg befinden, behaupten Sie weiterhin, dass der Euro den Frieden sichere. Gerade am heutigen Tag muss Ihnen mal jemand sagen, dass der Euro das genaue Gegenteil bewirkt. Er ist dabei, Europa ökonomisch schwer zu beschädigen und politisch auseinanderzutreiben.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!“

Dieser Kommentar wurde auf Anregung des Konvent für Deutschland verfasst.
Er muss jedoch nicht zwingend die Position aller Konventkreismitglieder widerspiegeln.